Hast Du den tollen Schritt gewagt und Dir mehrere Meerschweinchen gekauft, so fallen Dir sicher bald die verschiedenen Laute auf, mit denen sie sich und auch Dich begrüssen. Auch wenn Du Dich mal etwas zurückziehst und Deine Nager beobachtest, so kannst Du ihnen zuhören und wirst feststellen, dass die Meerschweinchen Kommunikation sehr komplex ist. Um zu verstehen, was für Laute sie aber genau von sich geben, so müssen wir zuerst einen Blick in die wilden Ursprünge der Wollknäuel werfen.

Wie schon in der Haltung und Pflege angesprochen, haben Meerschweinchen ihre Ursprünge in den Anden von Südamerika, bevor vor 6000 Jahren weisse Siedler sie erstmals nach Europa mitnahmen, um sie als Süsse Haustiere zu verkaufen. An ihrem natürlichen „Geburtsort“ waren die Nager in grossen Herden unterwegs, in welchen die Aufgaben genau verteilt waren. So entwickelten sich mit der Zeit die unterschiedlichsten Laute mit genau festgeschriebener Bedeutung, von welchen viele noch heute nicht klar bestimmt werden konnten. Man geht aber davon aus, dass ein Teil der Meerschweinchen Kommunikation in für uns unhörbaren Frequenzen ausgetragen wird. Zusätzlich spielen auch viele Ausdünstungen und Gerüche, welche normalerweise vom Halter weniger wahrnehmbar oder verständlich sind, eine Rolle bei der Zwischensäuischen Kommunikation. Es gibt aber ein paar Geräusche, die du noch öfters aus dem Mund deiner Nager hören wirst und auch entziffert wurden. Auf diese möchte ich nun etwas genauer eingehen.

 

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Die Meerschweinchen kommunizieren nicht nur untereinander, sondern auch mit Dir!

 

Pfeifen/Quieken

Bei diesen zwei Lauten gibt es einen feinen aber wichtigen Unterschied. Während ein lautes und fröhliches Quieken meist als enthusiastische Begrüssung gedeutet werden kann, bedeutet ein gepresstes Pfeifen oder gestresst wirkendes Quieken oft, dass sich das Meerschweinchen in Schmerz oder Unwohlsein befindet. Wenn du möchtest, kannst du beim nächsten Tierarztbesuch bei einer allfälligen Spritze beiwohnen. Dort lässt sich dieser Laut ganz klar erleben und ist so in Zukunft auch einfacher von den anderen zu unterscheiden.

Futterpfeifen und Angstpfeifen

Auch hier herrscht Verwechslungsgefahr. Wenn du deine Meerschweinchen fütterst, so wirst du nach dem ablegen der ersten Scheuephase bemerken, dass die neue Nahrung mit aufgeregtem Pfeifen begrüsst wird. Meist nimmt die Lautstärke mit der Zeit sogar noch zu, da sich der lauteste Pfeifer auch am meisten Aufmerksamkeit und somit auch mehr Futter erhofft. Ausserdem wird das Schwein bei dieser Art der Meerschweinchen Kommunikation aufgeregt durch das Gehege laufen und sich sogar auffordernd an das Gitter stellen.

Beim Angstpfeifen hingegen kann sich das Meerschweinchen flach auf den Boden legen und mit erhobenem Kopf und gepresstem Pfeifen sein Unwohlsein geltend machen. Schaue bei dieser Reaktion, was der Auslöser sein könnte. Vielleicht hast du das Tier in eine Ecke gedrängt oder des Nachbars Katze ist hinter deinem Rücken kurz davor kurz Hallo zu sagen.

Quieken und Pfeifen werden von Meerschweinchen für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet und sind deshalb manchmal schwer zu entziffern. Schlussendlich wirst du die grösste Aufklärquote haben, wenn du überlegst, was der Auslöser des Lautes sein könnte. Manchmal liegt die Antwort näher als Du denkst.

„Purren“

So lustig diese Art der Meerschweinchen Kommunikation scheint, so ernst ist die Message, welche mit diesem Laut gesendet wird. Er wird von den Meerschweinchen verwendet, um Beruhigung auszustrahlen und tritt dann auf, wenn sich die Meerschweinchen kollektiv unwohl fühlen. Anscheinend wird das Geräusch verwendet, um sich gegenseitig Mut zu zusprechen und Ruhe zu bewahren. Ihm geht meist ein Schreckmoment oder ein allgemeines Unwohlsein voraus. Ein beängstigendes Geräusch könnte also genauso der Auslöser sein wie eine akute Futterknappheit.

Wenn das Geräusch von einem Männchen ausgesendet wird, so kann es auch Drohungen an ein anderes Männchen bedeuten. In diesem Falle wird es dann für Balzvorgänge genutzt.

„Schnurren“

Obwohl Meerschweinchen eher weniger mit Katzen zu tun haben, so können sie bei Wohlbefinden ähnliche Laute wie die Häuslich bedingten Fressfeinde von sich geben. Aber Vorsicht! Beginnt dieser Laut an Lautstärke und Tonhöhe zuzunehmen, so ist dies ein Ausdruck, dass etwas dem Tier eher weniger passt.

Brummen

Nicht zu überhören ist der genau dafür entwickelte Brummton, der von Männchen beim Balztanz ausgestossen wird. Er soll dem Beeindrucken anderer Mitstreiter und potentiellen Liebhaberinnen dienen und ist oft von schwankend wirkenden Gehbewegungen und gesträubtem Fell begleitet.

Zähneklappern

Lustigerweise hat dieses Signal eine ganz ähnliche Bedeutung wie bei den Menschen. Es drückt Unwohlsein aus und bedeutet, dass das Meerschweinchen sich zurückziehen möchte oder sich vor etwas fürchtet. So kann ein andauerndes Zähneklappern beim Streicheln bedeuten, dass das Tier genug von menschlicher Verwöhnung hat und nun die Präsenz gleichrassiger Artgenossen Vorzieht.

Das Zähneklappern kann aber auch eine Drohung sein und ein bevorstehendes Zubeissen ankündigen. Also sollte man das Tier nach so einem Signal besser ausserhalb der Reichweite der Hand absetzen.

Zwitschern

Ein noch nicht genau bestimmter Laut in der Meerschweinchen Kommunikation ist das deswegen nicht minder skurrile Zwitschern. Es kann sich tatsächlich wie das eines Vogels anhören, tritt aber eher selten auf. Momentan geht man davon aus, dass das auch „Chirpen“ genannte Geräusch mit akutem Unwohlsein und Stress einhergeht.

Die Meerschweinchen Kommunikation ist und bleibt ein spannender Teil der Haltung. Immer wieder glaubt man, seine Tiere etwas besser verstehen zu können, als schon wieder ein neuer Laut die Aufmerksamkeit verlangt. Damit sich die Laute von Unzufriedenheit in Grenzen halten, solltest du dich auch mit der richtigen Haltung & Pflege auseinandersetzen.
Meerschweinchen Kommunikation